Samstag, 14. Februar 2015


Das Rosie-Projekt
Graeme Simsion


Die Geschichte erzählt von Andersartigkeit, von authentisch sein. Für dich ist das ein zentrales Thema des Buches. Mir ist das gar nicht so ins Auge gefallen und ja, auch so lässt sich das Buch betrachten. Eine schöne Perspektive, die du mir da eröffnest. Meiner Einschätzung nach beantwortest du damit auch eine Frage an mich: Warum ist das Buch so erfolgreich? Genau deshalb. Menschen wollen authentisch sein; sie wollen von ihrer Umwelt angenommen sein, so wie sie sind. Ein erster Schritt –wie ich finde – ist, dass wir selber in die Lage versetzt werden, uns so akzeptieren zu können, wie wir sind. Und genau das ist ein Punkt, der so einfach gar nicht ist. Von außen trommeln so unendlich viele „Du sollst …“ auf uns ein, dass es schon einer sehr starken Persönlichkeit bedarf, um sich dem widersetzen zu können oder der Leidensdruck ist so hoch, das wir uns dem permanenten Sollen in der ein oder anderen Weise entziehen oder wir scheitern, indem wir uns so modellieren, dass wir an das Außen erwartungsgemäß andocken.

Es dauerte ein paar Jahrzehnte bis ich mich selber gut fand. Ich bin wie ich bin und das ist ok so.

Mit dem Ende dieser Entwicklung wurde es mir mehr und mehr gleichgültig, wie ich bei meinen Mitmenschen ankomme und heute muss ich einfach, ganz sachlich und wertfrei feststellen, dass mir das auch völlig egal ist. Es ist nicht so, dass mir Menschen egal sind, ihre eventuellen Meinungen und Ansichten zu mir sind mir egal. Oft gehe ich ja davon aus, dass Menschen, denen ich begegne und die mir begegnen gar nicht erst Ansichten und Meinungen bilden, die nicht schon mit einer einzigen Frage alles in sich zusammenbrechen lassen.

Don ist heute für mich ein Held wie es damals Winnetou und Old Shatterhand für mich waren. Er rettet nicht, wie die beiden, die Welt von den Schurken, er setzt kognitiv seine Gewohnheiten außer Kraft.


Ja, Gewohnheit, diese janusköpfige Gestalt, die Sicherheit gibt und Freiheit raubt. Um sie zu brechen, bedarf es immer einer kognitiven Leistung. Aber ich will sie ja nicht immer durchbrechen und gelegentlich ödet sie mich an und manchmal liebe ich sie.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen