Freitag, 6. März 2015

Gut gemeint

Der Bundestag der Bundesrepublik Deutschland hat beschlossen, dass es für alle Erwerbstätigen ab 2015 einen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde zu geben habe.

Ich unterstelle der Politik jetzt einfach mal so, dass sie tatsächlich etwas Gutes für viele Menschen in diesem Lande tun wollte. Ich befürchte allerdings, dass sie die Kreativität von Unternehmen mal wieder unterschätzt hat, wenn es darum geht, sich der sozialen Verantwortung zu entziehen.

Einige Lobbyisten waren erfolgreich darin, das Gesetz zu konterkarieren. Zeitungsverlagen wurde zugestanden, ihren Zustellern lediglich mindestens 6,38 Euro bezahlen zu müssen. Zeitungsverlage: wir erinnern uns an sie, als sie im Rahmen der Debatten um das „Leistungsschutzrecht“ ohne rot zu werden Tatsachen verdreht hatten. Das Blog netzpolitik.org konnte sie sogar der Lüge überführen.

Zeitungsverlage, Wissenschaftsverlage, Schulbuchverlage … selbst für nichtphysischen Krebs haben wir keine wirksamen Medikamente …

Der hier ortsansässige Zeitungsverlag hat selbstverständlich sehr generös verkündet, dass er selbstverständlich den Mindestlohn zahlen wird. Tut er auch. Ich hatte Gelegenheit in einen Arbeitsvertrag Einblick zu nehmen. Ja, da steht das auch. Die vollständige Information zu diesem Arbeitsvertrag ergibt sich allerdings erst in einem Austausch mit einem Zusteller.

Jeder Zusteller hat einen oder mehrere Bezirke innerhalb der Stadt, in denen er die Abonnenten mit den Zeitungen versorgt. Das beansprucht entsprechend Zeit, mal mehr, mal weniger, je nachdem, ob es regnet, schneit oder trocken ist; je nachdem wie „dick / schwer“ die Zeitungen sind (mehr oder weniger Werbeprospekte).

Der hiesige Verlag hat nun im Rahmen der Umstellung „festgelegt“ wieviel Zeit ein entsprechender Bezirk benötigt. Das konkrete Beispiel, das ich hier zitiere, sieht so aus. Der Bezirk X ist bei aller besten Bedingungen in 45 Minuten zu schaffen (normale Zeitung, trockenes Wetter, erfahrener Zusteller). Für genau diesen Bezirk X wird vom Verlag festgelegt, dass er in 20 Minuten zu schaffen sei und dementsprechend auch nur 20 Minuten bezahlt werden. Noch Fragen?


Es war, ist und bleibt mein unumstößlicher Standpunkt, dass jeder aus dem Einkommen der geleisteten Arbeit den Lebensunterhalt bestreiten können muss. Und das bezieht sich nicht alleine auf die Menschen hierzulande. Damit schließe ich auch die Frauen ein, die meine Hemden und Hosen nähen.

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