Samstag, 20. Februar 2016

Du, ich kann das nicht.

Unser Bereich in der Firma konnte einen Mega-Deal an Land ziehen. Das Mega in Mega-Deal drückt sich dadurch aus, dass die Aufträge um den Faktor 10 zunehmen. Die Anzahl der vorhandenen Mitarbeiter reicht dazu natürlich nicht aus und deshalb wird eingestellt. Wir haben uns deshalb bereits verdoppelt was die Mitarbeiteranzahl angeht und es werden mehr sein müssen.

Die Aufgabenstellung erfordert, dass die neuen Mitarbeiter innerhalb einer Woche vollständig einsatzbereit sein müssen.
Wir haben viele neue Mitarbeiter gewinnen können, die sehr motiviert sind und die auch gewiss Angst empfinden, den Ansprüchen nicht gerecht werden zu können.

Der Start der neuen Kooperation hat uns alle kalt erwischt. Aus 50 Aufträgen am Tag sind auf einmal 500 geworden. Das ist nicht zu schaffen, zumindest nicht so zeitnah, wie wir es bisher gewohnt waren. Die Neuen wurden ohne das erforderliche Rüstzeug sofort belastet.
Eine Situation wie diese erfordert es ganz einfach, auch am Wochenende zu arbeiten.

Und das taten wir auch. An diesem Samstag war ich genauso früh in der Firma wie unter der Woche auch. Meine Kollegen wissen das und Alex, einer der Neuen, auch.
Die Büroräume waren noch leer, die Situation wochenendmäßig entspannt.
Alex – ein aus meiner Sicht echt netter Kerl, 20 Jahre jünger als ich und hochmotiviert und ganz gewiss kein dummer Mensch – kam auf mich zu und gab unumwunden zu, dass er vieles nicht verstehen würde und bat ganz offen um meine Hilfe.

Mein erster Kommentar dazu war, dass er sich bitte nicht ständig entschuldigen möge, nach meiner Hilfe zu fragen. Ich sagte ihm, dass er sie immer bekommt und wenn es aus meiner Sicht gerade nicht passt, dann würde ich ihm das schon sagen und es wäre niemals persönlich gemeint.

Es dauerte lediglich 20 Minuten und wir hatten alles geklärt, was für ihn unklar war und ihm ungeeignete Emotionen verschafft hatte.

Und ich? Ich selber bin doch etwas stolz auf mich, dass Menschen auf mich zugehen und mich um Hilfe fragen mögen. Offenbar bin ich wohl doch nicht das emotionslose Monster, das ich oft für mein Alter Ego hielt.




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