Freitag, 11. März 2016

Spiritualität

Das Erfahrungsspektrum von rein rational und sachlich orientierten Menschen gründet sich allein auf belastbare Belege. Mangelt es an diesen Belegen, gilt das Erfahrene als Bedeutungslos und wird dementsprechend nicht weiter betrachtet. Als belastbare Belege gilt alles, was messbar ist und in bestimmten Einheiten ausgedrückt, von Dritten 1 zu 1 nachvollzogen werden kann und immer wieder mit denselben Ergebnissen reproduzierbar ist.
Und das ist Wissenschaft und genau dort sind diese Ansprüche zu erfüllen und die Methodik halte ich in diesem Bereich für sinnvoll.

Zur Einordnung: Ich (war / bin) auch einer dieser rationalen und sachlichen Verfechtern. Der gedankliche Austausch mit spirituell orientierten Menschen veranlasste mich dazu, das Thema für mich auf den Prüfstand zu stellen, weitere Informationen einzuholen und mich gedanklich darauf einzulassen. Die für mich gewonnene Erkenntnis – ob nun falsch oder richtig – empfinde ich als sehr große Bereicherung für mein Leben (Dieser Mensch, der das bewirkt hat, wird wissen, dass ich ihn meine).

Und da bin ich, mit meinem Gefühlsleben, meinen ganz individuellen Erfahrungen und meinen Gedanken und Handlungen und versuche, damit umzugehen.

Das Ergebnis meiner Recherchen ist, das Spiritualität und Rationalität ganz gewiss keine Gegenpole sind, sondern zusammen gehören. In diesem Zusammenhang zitiere ich Kant – ein rationaler Mensch und Begründer der Aufklärung – mit seinem Ausspruch:
„Was kann ich wissen, was soll ich tun und was darf ich hoffen?“!

Ich weiß, dass ich nichts weiß sagte Sokrates und dem erwidere ich, dass ich ein bisschen weiß. Was ich tun soll ist schon schwieriger: Die Bandbreite von „Tun“ ist riesig. Um es auf eine handhabbare Größe zu reduzieren, ersetze ich es durch die Frage: Wie soll ich in der Interaktion mit Menschen handeln? Wie behandle ich Menschen? Aufgrund meiner Rationalität behandle ich Menschen am besten so, wie ich es selber gerne hätte, also mit Respekt und Anstand. Ich verletze, beleidige und demütige niemanden. Daraus ergibt sich die Antwort auf „Was darf ich hoffen?“. Nämlich dass ich von anderen Menschen Gleiches erfahren darf.

Nach meinen Recherchen ist es wichtig, verschrobene von echter Spiritualität zu unterscheiden. Es geht nicht darum, eine „neue“ Religion zu installieren oder eine 10-Punkte-Anweisung für ein glücklicheres Leben zu postulieren. Es geht um die eigene Reflexion und die Bewertung der Ergebnisse, die aus dieser Reflexion entstehen.

Kann es richtig sein, gefühlsfähige Lebewesen zu essen und auch deren Produkte zu konsumieren mit dem Wissen, dass diese Tiere niemals so leben werden wie sie es in Freiheit tun würden. Ich tue das (noch) und es erzeugt in mir mehr und mehr kognitive Dissonanz. Der Gedanke daran und der Wunsch, diese Dissonanz aufzulösen ist Spiritualität, gegründet auf Rationalität.

Und es geht nicht nur um die Auseinandersetzung mit meiner Umwelt, es geht auch um mich. Was tut mir gut, was möchte ich für mich tun, damit ich das Gefühl haben kann, mich wohlfühlen zu dürfen. Auch das empfinde ich als Spiritualität.

Mir ist bewusst, das Thema nicht vollumfänglich behandelt zu haben. Ich fühle mich gut, weil ich es überhaupt behandelt habe.





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